Fomapan 400 Action - Embrace the Grain

Dom Rundgang mit einer Rolle Fomapan 400 Action 135-36

Vor einem guten Jahrhundert, im Jahr 1921 begann die Firma Foma Bohemia in der Teschechischen Republik mit der Produktion von Fotoplatten und Chemikalien für fotografische Verarbeitungsprozesse. Als einer der letzten Hersteller für Filmmaterial in Europa exportiert das mittelständische Unternehmen aus Hradec Králové heute eine breite Palette verschiedener Filmmaterialen und Fotochemikalien in 90 Länder der Welt.

Im Schwarzweißfilm Portfolio der Foma Bohemia findet man neben dem R100, einem S/W Umkehrfilm, den Fomapan 100, den Fomapan 200, einen Retropan 320 ASA soft und den von mir verwendeten Fomapan 400 Action Negativfilm.

Der Fomapan 400 ist ein panchromatisch sensibilisierter Schwarzweißfilm mit einer nominalen Empfindlichkeit von 400 ASA. Man sagt dem Film nach, dass er relativ kontrastreich sei und es ihm etwas an Schattenzeichnung fehle. Da für den Rundgang am Kölner Dom, bei recht ordentlichen Lichtverhältnissen, keine ausgesprochenen Action Aufnahmen geplant waren, konnte ich die ISO der Kamera auf 200 einstellen, der Lichtempfindlichkeit, bei der sich der Fomapan 400 hinsichtlich der Bildqualität erfahrungsgemäß von seiner besten Seite zeigen sollte.

Laut Herstellerangaben kann der Fomapan in allen gängigen Negativentwicklern verarbeitet werden. Für meinen ersten Test viel die Wahl auf zwei Entwickler aus heimischer Produktion, den zugleich feinkörnig und ausgleichend arbeitenden FX-39 II der Firma Adox in Bad Saarow und den eco Entwickler von Wolfgang Moersch aus Heidelberg. Nach eigenen Angaben weist der eco Entwickler von Wolfgang Moersch eine hohe Konturenschärfe auf und arbeitet bis 200 ASA feinkörnig. 

Filmformate der Fomapan 400 Filme

Kleinbildfilm

Die Basis der Fomapan 400 Kleinbildfilme besteht aus 0,125 mm starken Cellulose Triacetat.

Rollfilm

Der Fomapan 400 Rollfilm ist auf eine klare, 0,1 mm starke, Polyester Basis gegossen und mit einer Lichthofschutzschicht ausgestattet. 

Planfilm

Die Basis der Fomapan 400 Planfilme besteht aus einer 0,175 mm starken klaren Polyester Basis und mit einer Lichthofschutzschicht ausgestattet. Der Planfilm ist in den Größen 4x5 Inch (10,2x12,7 cm), 5x7 Inch (12,7x17,8 cm), 8x10 Inch (20,3x25,4 cm) und 9x12 cm erhältlich.

Laut technischem Datenblatt zum Fomapan 400 ist der 35mm Kleinbildfilm, im Gegensatz zum 120 Rollfilm und den Planfilmen Varianten, nicht mit einem Anti-Halation Layer, einer sogenannten Lichthofschutzschicht ausgestattet. Diese Schicht hat die Aufgabe, dass auf den Film auftreffende Licht zu absorbieren. Unschärfen, die durch die Reflexion und Streuung von Licht innerhalb der Filmemulsion entstehen, kann durch eine Lichthofschicht wirksam entgegengewirkt werden. Die Bildwiedergabe des Fomapan 400 unterscheidet sich, durch den offensichtlichen Verzicht auf eine Lichthofschicht, deutlich von vergleichbarem Filmmaterial anderer Hersteller. Das Überstrahlen der Lichter in angrenzende dunkle Bildbereiche trägt, neben der Tendenz des Films für ein ausgeprägteres Korn, ganz wesentlich zum individuellen Look des Foma Filmmaterials bei. Ob man in seinen Bildern nun Highlights mit einer Aura eher als einen technischen Mangel oder als gern gesehenes, für diesen Film typisches Stilelement interpretiert, ist natürlich Geschmacksache. Während ich beispielsweise für Architekturaufnahmen, in denen eher ein klarer, kontrastreicher Look wünschenswert ist, vermutlich zu einem anderen Filmmaterial greifen würde, könnten für eine bestimmte Art von Portrait Aufnahmen, die weichen Überstrahlungen und das sichtbare Korn dieses Films ein willkommenes Stilmittel sein. Es ist immer schön die Wahl zu haben.

Wo liegen die besonderen Stärken des Fomapan 400?

Stellt man für die Umsetzung eines konkreten Bildprojektes höchste technischen Ansprüche an die maximal erreichbare Bildqualität des Filmmaterials, so dürfte man bei Filmen mit moderner Flachkristall Struktur, wie beispielsweise dem Ilford Delta 400 oder dem Kodak TMAX 400 besser aufgehoben sein. Ich sehe die Stärken des Fomapan 400 eher in seinem ganz typischen Look und einem gewissen Retrocharme den dieser Film versprüht. Die auf kubischen Silberkristallen basierende Filmemulsion mit ihrer klassischen, akzentuierten Kornstruktur, vermittelt jenen old school Look, den viele Fotografen zu schätzen wissen. 

In den letzten Jahren haben die Preise für Filmmaterial, wie auch für andere fotografische Verbrauchsmaterialien, deutlich angezogen. Es mag einerseits auf die stark gestiegene Nachfrage zurückzuführen sein, die die Produktionskapazitäten mancher Hersteller an ihre Grenzen bringt. Andererseits sind die Preise für unverzichtbare Rohstoffe, wie z.B. Silber, in den vergangenen krisenreichen Jahren ebenfalls deutlich gestiegen. Aktuell liegt der Verkaufspreis für den Ilford Delta 400 Professional 135/36 bei 8,00 bis 9,00 Euro, für den Kodak T-Max 400 Pro 135/36 zwischen 10,00 und 13,00 Euro und eine Rolle TRI-X 400 135/36 ist kaum unter 11,00 Euro zu bekommen. Was für den Fomapan 400 spricht, ist zweifellos sein vergleichsweise günstiger Preis. Ein Kleinbildfilm des tschechischen Herstellers mit 36 Aufnahme kostet zur Zeit zwischen 4,00 und 5,00 Euro. Damit gehört er, neben dem Kentmere 400 und dem Agfaphoto APX 400, zu den günstigsten Filmen in der 400 ASA Klasse.

Meine bisherigen Erfahrungen mit dem Fomapan 400 beziehen sich aktuell ausschließlich auf die Kleinbild Version. Darüber hinaus ist das Filmmaterial auch als 120 Rollfilm und in vier verschiedenen Planfilm Größen erhältlich. Für die Anhänger der Großformat Fotografie stellt der Fomapan 400 mit Sicherheit eine interessante Alternative dar. Bei den großen Planfilm Formaten, bis annähernd DIN A 4 Format (Fomapan 400, 8x10 Inch (20,3 x 25,4 cm), wird das Thema Korngröße und Kornstruktur erfahrungsgemäß eine eher untergeordnete Rolle spielen.